Es ist Herbst. Meine liebste Jahreszeit. Auch auf dem Friedhof. Das grelle Licht des Sommers ist einem milden, vielleicht gnädigen Licht gewichen. Die bunten Blätter zaubern ein wunderbares Farbenspiel. Das bunte Laub bedeckt neue und alte Gräber. Auch die Kindergräber. So viel ungelebtes Leben. So viel Liebe.
Wenn ich auf dem Friedhof durch das Laub raschle, hat es irgendwie einen besonderen Klang. Irgendwie tröstlich. Sonst blitzblank polierte Ecken wirken so herrlich unaufgeräumt. Und gleichzeitig setzt die Sonne so manches Grab ganz besonders in Szene. Nebenan die zur Ordnung blasenden Laubbläser. Krass, diese Gleichzeitigkeit.
Unfassbare Schönheit dieses Naturschauspiels und tröstet doch nicht über das Meer von Kriegsgräbern hinweg. Tutti fratelli, alles Brüder. Das haben die Frauen damals 1859 nach der Schlacht von Solferino erklärt. Und halfen jedem der zehntausende von Verletzten, unabhängig von der Nationalität. Ja: tutti fratelli. Et sorelle. Warum diese vielen Gräber? Bis heute.
Ich hebe den Kopf und blicke in die Weite des blauen Herbsthimmels. Die Lungen weiten sich, einatmen, ausatmen. Frieden spüren. Dankbar sein, für alles, was gut ist, gut tut, nährt, das Herz wärmt. Meins und deins.
Weitergehen.
